nichtswieweg... vier Abenteurer unterwegs

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Brasilien
Reisebericht vom 01.06.2017 bis 10.07.2017, Brasilien
Highlights: Corumbá, südliches Pantanal - Estrada do Parque, Miranda, Pontonfahrt von Corumbá nach Porto Jofre, nördliches Pantanal - Transpantaneira, P.N. Chapada dos Guimarães, Bom Jardim (Nobres), Wasserfälle von Iguazu (Brasilianische und Argentinische Seite)

Keine Gegend haben wir bisher so intensiv bereist wie das Pantanal. Mehrere Wochen verbringen wir im südlichen sowie nördlichen Teil dieses gigantischen Feuchtgebietes und bekommen eine Tiervielfalt zu Gesicht, die seinesgleichen suchen kann. Viele tropische Vögel, verschiedene Wasserbewohner, Jaguare und eine Anaconda, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Per Fahrzeug, per Boot, als Fahrzeugverlad auf einem Ponton (Floss), zu Fuss und unter Wasser erkunden wir dieses Riesenbiotop. Und damit wir auch noch etwas in der Luft gemacht haben, schliessen wir mit einem Helikopterrundflug über die Wasserfälle von Iguazu unsere Brasilien-Reise ab.

Vorbereitung für‘s Pantanal (Mato Grosso do Sul)

Nachdem wir uns in den letzten Monaten eher in kargen, wüstenähnlichen Gegenden aufgehalten haben, wird es nun Zeit für einen Tapetenwechsel und so freuen wir uns richtig auf das grösste Land Südamerikas - Brasilien. Diesmal möchten wir uns vor allem sehr viel Zeit für das Pantanal nehmen, einem Binnenland-Feuchtgebiet, welches mit einer Fläche von ca. 230‘000 km² zu einem der grössten dieser Erde gehört. Mit dem Grenzübergang vom Bolivianischen Puerto Suarez nach Corumbá in Brasilien erreichen wir somit auch gleich den Eingang in den südlichen Teil dieses riesigen Feuchtbiotops. Bevor es aber losgeht, nutzen wir das Grenzstädtchen noch ausgiebig, um unsere Vorräte aufzustocken und unseren Schuhschrank mit dem brasilianischen Markenzeichen schlechthin auszustatten, den berühmten Havaianas und Ipanemas Flip Flops. Da Frau ja schlau ist, wird der Schuhkasten schon seit Wochen ausgemistet und vorbereitet, damit man sich dann die bequemen Treter in allen Farbvariationen kaufen und dann auch noch verstauen kann :-).

Unterwegs auf der „Estrada do Parque“ im südlichen Pantanal (Mato Grosso do Sul)

Also mit allem Notwendigen ausgestattet, starten wir zusammen mit den Reisefriedlis (Betty und Beat) unsere Pantanal Tour. Über eine sehr gut erhaltene, feuerrote Erdpiste führt uns die „Estrada do Parque“ auf über 87 Holzbrücken vorbei an den unterschiedlichsten Vegetationszonen. Vom dichten Dschungel geht es über in trockene Savannenlandschaft und dann wieder weiter durch bewirtete Landwirtschaftszone. Oft halten wir bei den Holzbrücken an, schalten den Motor aus und lauschen einfach dem unglaublichen Stimmengewirr der vielen verschiedenen Vogelarten. Aus dem Auto heraus sieht man zwar auch immer wieder vorbeifliegende Vögel oder sich sonnende Kaimane, aber das wirkliche Feeling bekommt man erst mit wenn man aussteigt, sich Zeit nimmt und die ganze Pracht auf sich wirken lässt. Und nicht zu vergessen, sich von Milliarden von Mücken zerstechen lässt. Im Ernst, so etwas haben wir bislang noch nie erlebt. Es ist einfach grauenhaft. Man kann kaum aus dem Fahrzeug aussteigen und hat trotz Mückenspray und Vitamin-B-Tabletten, welche Roger und ich schon seit ein paar Wochen zur Vorsorge nehmen, einfach keine Chance. Wir werden total zerstochen. Abends kommt es sogar soweit, dass wir unsere Fahrzeuge nebeneinander parken und uns durch unsere mit Moskitonetz geschützten Fenster unterhalten. Einmal mehr sind wir unglaublich froh über unsere Kabine und dass wir eine Toilette an Bord haben, sodass wir uns von diesen blutrünstigen Viechern schützen können.

Immerhin werden wir mit einer bunten Vogelwelt belohnt, die seinesgleichen suchen kann. Durch ganz Zentralamerika haben wir nicht so viele Vögel gesehen wie hier in diesen 2,5 Tagen, einfach fantastisch. Wir unternehmen noch einen extra Schlenker über die MS-243, wo wir zwar nicht mehr ganz soviele Tiersichtungen wie auf der „Estrada do Parque“ haben, dafür ist die Strecke landschaftlich gesehen ein absoluter Hingucker.

Wiedersehensfreude in Miranda (Mato Grosso do Sul)

Am Ende unserer Tour erreichen wir Miranda, eine Kleinstadt, welche auch von vielen als Ausgangspunkt für Pantanal-Exkursionen genutzt wird. Hier freuen wir uns sehr auf das bevorstehende Wiedersehen mit unseren Freunden Elke und Bernd, welche wir vor ein paar Jahren in Botswana kennengelernt haben und dann zusammen ein paar tolle Strecken in Nordnamibia gefahren sind (hier noch der Link zu unserem damaligen Reisebericht für Interessierte, welche mal kurz einen Abstecher ins südliche Afrika unternehmen möchten :-). Elke und Bernd waren lange Zeit in Afrika unterwegs und haben nun in diesem Jahr ihren „Kofi“ nach Südamerika verschifft. Gemeinsam möchten wir noch weitere Teile des faszinierenden Pantanals entdecken.

So verabreden wir uns in Miranda bei Marcelo, einem Tourguide, wo wir für die zwei kommenden Tage eine Jaguar-Tour im südlichen Pantanal gebucht haben. Marcelo und seine Frau Ekta sind zwei grossartige Gastgeber und wir sind überaus dankbar, dürfen wir bei den schweisstreibenden Temperaturen ihren erfrischenden Pool benutzen. Selbstverständlich wird auch hier unser Wiedersehen mit Elke und Bernd ausgiebig gefeiert, es werden Caipirinhas (Brasilianisches Nationalgetränk) gemixt mit anschliessender Poolparty.

Auf Jaguar-Tour im südlichen Pantanal (Mato Grosso do Sul)

Am nächsten Morgen ist dann frühe Tagwache angesagt, im dreier Fahrzeug-Konvoi (Reisefriedlis, Kofis und Moglis) starten wir nochmals zurück auf die „Estrada do Parque“. Hier verbringen wir den ersten Tag bei der Fazenda „Passo do Lontra“, wo wir eine mehrstündige Bootsfahrt entlang verschiedener Seitenarme des Rio Miranda unternehmen, immer in der Hoffnung auf eine Jaguar Sichtung. Heute wird‘s leider nichts, dafür sehen wir unzählige Vögel, Brüllaffen, Kaimane und Wasserschweine.

Bei einer frühmorgendlichen Jeep-Safari am nächsten Tag versuchen wir erneut unser Glück mit einem Jaguar. Heute stehen die Chancen nicht schlecht, werden wir doch alle vom lauten Gebrüll dieses imposanten Tieres geweckt. Auch die frischen Pfotenabdrücke entlang der Piste sorgen für Adrenalin bei den Safari-Teilnehmern. Aber irgendwie will sich uns dieser Bursche einfach nicht zeigen. Na ja, irgendwann wird‘s schon noch klappen. Wir fahren weiter zur Fazenda „São João“, wo eine mehrstündige Wanderung durchs Sumpfgebiet auf dem Programm steht. Teils durch knietiefes Wasser marschierend, ohne zu wissen was sich unter einem herum tummelt, fühlen wir uns schon fast ein bisschen wie Indiana Jones. Hier sehen wir zwar nicht viele Tiere, dafür verfügt diese Tour definitiv über Expeditionscharakter.

Nach 2 Tagen heisst es leider schon wieder Abschied nehmen von Marcelo und Ekta, zwei liebenswerten Menschen, die uns ihr Pantanal auf sehr eindrückliche Weise näher gebracht haben. Wir können die Beiden auf jeden Fall zu 100% weiterempfehlen und wer das Pantanal nicht nur sehen sondern auch erleben möchte, ist bei Marcelo gut aufgehoben (www.pantanalwilderness.com). Der einzige Wermutstropfen war, dass wir keinen Jaguar gesehen haben, obwohl er uns oft zum Greifen nahe schien. Aber so ist die Natur und wie immer gehört natürlich auch eine Portion Glück mit dazu.

Und wir sehen doch noch einen.... südliches Pantanal (Mato Grosso do Sul)

Dafür bekommen wir zum Abschied einen Tipp von Marcelo, wie es vielleicht doch noch klappen könnte: Bei Brücke Nr. 13 befindet sich ein Baum, welcher dem Jaguar oft als Nachtquartier dienen würde. Die tiefen Kratzspuren im Stamm, welche wir bei der morgendlichen Safari ebenfalls gesehen haben, bestätigen dies auf jeden Fall. So entschliessen wir uns, nach der Tour dorthin zurückzufahren und eine Nacht bei dieser Brücke zu verbringen. Zuvor verabschieden wir uns jedoch noch von den Reisefriedlis, welche zusammen mit Marcelo wieder zurück nach Miranda fahren.

Leider gibt es bei der Brücke Nr. 13 nicht viel Platz zum Campen und da Elke und Bernd im Dachzelt schlafen, schauen wir, dass sie ein bisschen weg von der staubigen Piste kommen. Wir quetschen uns direkt an den Rand der Strasse, den Jaguar Baum immer im Sichtfeld :-). Als es eindunkelt, hält ein Einheimischer bei uns und meint, dass wir unbedingt weiterfahren sollen, denn hier wäre es viel zu gefährlich zum Übernachten, da dies das Revier eines Jaguars wäre. Wir werden hellhörig und bekommen ein Glänzen in den Augen. Perfekt, dann sind wir hier wirklich richtig.

Am nächsten Morgen klingelt dann bereits um 05.30 Uhr der Wecker. Voll montiert mit Fernglas und Kamera bewaffnet setze ich mich in die Fahrerkabine und beobachte den Baum. Ein Schulbus fährt an uns vorbei und kommt wenige Minuten später wieder zurück. Wild mit den Händen gestikulierend will er, dass ich die Scheibe herunterlasse. Er ist so aufgeregt, dass ich kaum etwas verstehe und dann das ganze noch auf Portugiesisch. Als ich endlich begreife was er meint, drehe auch ich fast völlig durch. Der Jaguar befindet sich direkt hinter unserem Auto und ich schaue die ganze Zeit in die falsche Richtung. Jetzt hält uns natürlich nichts mehr auf. Roger ist mittlerweile auch aufgestanden und zusammen gehen wir auf die Pirsch und sehen das erste Mal diesem unglaublich schönen Tier in die Augen.

Wir können es nicht fassen, diese Glücksgefühle sind einfach unbeschreiblich. Während rund 1,5 Stunden folgen wir zu Fuss dem Jaguar und beobachten ihn, immer mit einem grossen Sicherheitsabstand versehen, denn schliesslich handelt es sich hier immer noch um ein Raubtier. Auch er dreht sich immer wieder zu uns herum und lässt uns nicht aus den Augen. Verschwindet er in die Büsche, ziehen auch wir uns langsam zurück. Man weiss ja nie, wo er wieder hervorkommt. Es war schon ein sehr eigenartiges Gefühl zu wissen, dass man auf einmal so auf sich alleine gestellt ist. Denn unser Duro war mittlerweile soweit weg, dass er uns nicht mehr als rettender Anker hätte dienen können. Als immer mehr Verkehr aufkommt, huscht der Jaguar in die Büsche und lässt sich nicht mehr blicken. Wir sind überglücklich, dass wir die Gelegenheit bekommen haben, auf diese Weise einen Jaguar zu sehen. Das ist wirklich etwas sehr Besonderes.

Drei Wochen später erhalten wir dann von unserem Tourguide Marcelo die traurige Nachricht, dass „unser“ Jaguar überfahren wurde. Er schickt uns Fotos, die einem in der Seele weh tun. Lachende Menschen, die mit dem toten Tier posieren. Unsere gemachten Fotos wirbeln durchs „www“ da wir wahrscheinlich zu den Letzten gehören, die dieses fantastische Tier noch lebend gesehen haben. Schön durften wir dich kennenlernen Buddy, R.I.P.!

Mit dem Ponton von Corumbá nach Porto Jofre (Mato Grosso do Sul bis Mato Grosso)

Von der „Estrada do Parque“ geht es wieder zurück nach Corumbá, ihr erinnert euch, da wo Frau soviele Flip Flops gekauft hat. Von hier aus möchten wir unsere Fahrzeuge auf ein Ponton (eine Art Floss) verladen und so nach Porto Jofre verschiffen, dem End- bzw. für uns Startpunkt der „Transpantaneira“ (nördliches Pantanal). Die Fahrt dauert in der Regel 3 Tage und 3 Nächte.

Ein Angestellter des „Road Riders Hostels“ ist uns bei der Vermittlung behilflich. So finden wir einen Bootsbesitzer, welcher sogar noch ein bisschen Spanisch spricht, welch Glück. Wir können den zuerst verlangten Preis von BRL 3‘500.- (CHF 1‘060.-) pro Fahrzeug auf BRL 2‘500.- (CHF 760.-) herunterhandeln und buchen so unsere Fahrt für den nächsten Tag. Schon alleine die Auffahrt auf den Ponton mittels zwei Brettern sorgt für Nervenkitzel. Aber alles klappt gut, wir können unsere beiden Fahrzeuge hintereinander parken und haben so noch Platz für eine gemütliche Lounge in der Mitte. Die anderen Mitreisenden haben es nicht so luxuriös wie wir. Die Hängematten werden überall aufgespannt wo es ein freies Plätzchen gibt, dazu kommt noch einiges an Ladung mit, welche unterwegs auf den Fazendas (Farm) ausgeliefert werden muss. Da es im Pantanal so gut wie keine Strassen gibt, läuft die Versorgung grösstenteils über den Wasserweg. Es werden Rinderimpfungen mitgenommen, Ölfässer, Benzin und Diesel, sogar ein Toyota Landcruiser wird noch aufgeladen, Mopeds und was man sonst noch so alles in der Abgeschiedenheit braucht.

Wir geniessen die Fahrt in vollen Zügen, haben 3 mal pro Tag eine Mahlzeit inklusive (gar nicht schlecht und Durchfall gab es auch keinen :-), legen immer mal wieder an Land an um Material auszuladen und ab und zu hat der Motor einen Aussetzer und muss notdürftig repariert werden. Dazwischen gibt es natürlich unsere gemütlichen Lounge-Abende mit Livemusik und Gesang der neu gegründeten Pantanal-Band „Bernd and the schimmeling Wandershoes“. Der Song erscheint übrigens demnächst in unserem Pantanal-Video. Man darf also gespannt sein.

Als wir nach 3 Tagen Porto Jofre erreichen, haben wir alle Vier gar keine Lust auszusteigen. Zu toll war die Fahrt auf dem Schubverband und hätte nach unserer Meinung noch viel länger dauern können.

Jaguar-Tour in Porto Jofre / nördliches Pantanal (Mato Grosso)

Porto Jofre, der kleine Ort am Ende der Transpantaneira, gilt als bester Spot für Jaguar Sichtungen. Obwohl wir ja jetzt im südlichen Pantanal einen gesehen haben, aber leider nicht so gut fotografieren konnten, entschliessen wir uns nochmals eine Tour zu machen und buchen ein PS starkes Boot für uns Vier für den nächsten Morgen.

Pünktlich um 06.00 Uhr startet die rund 5-stündige Bootsfahrt entlang des Rio Cuiaba und seinen unzähligen Seitenflüssen. Von den bisher unternommenen Bootstouren im Pantanal ist diese landschaftlich gesehen sicher die am Schönsten. Unser Guide klappert während Stunden verschiedene mögliche Jaguar Spots ab, aber leider alle vergeblich. Hmm, Ernüchterung macht sich breit, irgendwie soll es nicht sein. Wir sind schon auf dem Rückweg und haben jegliche Hoffnung aufgegeben, als wir unterwegs auf ein anderes Boot treffen und unser Guide von diesen einen Tipp bekommt, wo er hinfahren soll. Und diesmal werden wir so richtig belohnt. Ein Prachtexemplar zeigt sich uns von seiner schönsten Seite. Zuerst müssen wir diesen Anblick noch mit 2 anderen Booten teilen, dann sind wir vollkommen alleine. Während rund einer halben Stunde können wir etwa aus 5 Meter Distanz dieses wundervolle Tier beobachten. Ein weiteres Highlight auf unserer grossen Pantanal-Tour.

Kaum sind wir zurück in Porto Jofre, man glaubt es kaum, kriecht nicht weit von uns entfernt eine gelbe Anaconda über den Weg. Ich weiss nicht was schwieriger ist zu sehen, einen Jaguar oder eine Anaconda. Heute ist auf jeden Fall unser Glückstag und wir bekommen beide sehr raren Tiere zu Gesicht. Am späteren Nachmittag schwimmen noch zwei Riesenottern an unserem Platz vorbei, also alles in allem ein richtig gelungener Tag.

Unterwegs auf der Transpantaneira - nördliches Pantanal (Mato Grosso)

Über die „Transpantaneira“, dem nördlichen Pendant zur südlichen „Estrada do Parque“, fahren wir wieder über unzählige Holzbrücken, diesmal jedoch nordwärts. Die Brücken sind im Vergleich, als wir das erste Mal vor 10 Jahren hier waren, in viel besserem Zustand. Heute braucht man keine Beruhigungstablette mehr, um darüber zu fahren. Zudem sind von Norden her kommend fast alle Brücken bis zum Hotel Mato Grosso betoniert. Somit nimmt es natürlich einiges an Abenteuercharakter weg. Auch sehen wir so gut wie keine Tiere mehr. Das mag sicherlich auch an der Jahreszeit liegen, es hat in den letzten Monaten anscheinend sehr viel geregnet und die Tiere können sich so natürlich viel besser verteilen, aber es war schon sehr enttäuschend.

Auf der Estancia Vitoria müssen wir mal kurz eine Verschnaufpause einlegen und unseren Kopf von den vielen Eindrücken der letzten Wochen ein bisschen auslüften. Zudem haben wir uns hier mit unseren Duro-Freunden Sonja und Benno verabredet, wo wir so gemeinsam ein paar kurzweilige Tage verbringen.

Von 40 Jahren und 1‘000 Reisetagen - Festaktivitäten in Bom Jardim (Mato Grosso)

Zusammen mit den Kofis fahren wir noch ein Stück weiter nordwärts, denn wir haben bald zwei Jubiläen zu feiern und zu Viert macht es natürlich noch mehr Spass. So ist unser nächstes Ziel Bom Jardim in der Nähe von Nobres. Dieser Ort ist bekannt für seine glasklaren Flüsse, wo man wie in einem Aquarium mit unzähligen verschiedenen Fischarten schnorcheln kann, ähnlich dem berühmten Bonito im südlichen Teil des Pantanals. Wir quartieren uns beim „Refugio Agua Azul“ ein, wo wir sehr herzlich vom Besitzer Milton empfangen werden. Hier feiern wir in schönster Umgebung Rogers 40igsten Geburtstag und gleichzeitig unseren eintausendsten Reisetag, welcher zufälligerweise auf‘s gleiche Datum fällt.

Traditionsgemäss gibt es eine richtig kaloriengeladene Torte, wo Milton keine Mühe und Aufwand gescheut hat, ein Kunstwerk zu backen. Nur mit dem Überraschungseffekt hat es nicht so ganz geklappt. Denn während wir noch alles für den grossen Auftritt am Vorbereiten sind, nimmt Milton Roger mit in die Küche und zeigt ihm die Torte. Die Kerzen muss Roger übrigens auch noch selber aufstecken. Na ja, wir nehmen es alle mit Humor und starten die Feierlichkeiten mit coolen Drinks, auf dem Grill gart ein schönes 2kg Rinderfilet und am Abend sitzen wir am Lagerfeuer und drehen ganz brasilianisch auch mal so richtig laut die Musik auf.

Bom Jardin ist für uns jetzt auf dieser Reise der nördlichste Punkt in Brasilien. Ab jetzt heisst es viele Kilometer zurück in den Süden schnetzeln. Auch müssen wir uns hier leider von unseren Freunden Elke und Bernd verabschieden, welche jetzt weiter nach Bolivien fahren. Wir hatten in den letzten 3,5 Wochen eine unglaublich tolle und spannende Zeit zusammen und freuen uns jetzt schon auf‘s nächste Wiedersehen, wo auch immer es auf dieser Welt sein werde. Buen viaje amigos!

Die Wasserfälle von Iguazu - brasilianische und argentinische Seite (Paraná)

Unser letztes Ziel in Brasilien zählt dann auch zu den grossen Highlights einer jeden Brasilien-Reise, die spektakulären Wasserfälle von Iguazu. Obwohl wir diese auch bereits kennen, möchten wir da unbedingt nochmals hinfahren und uns diesmal auch die brasilianische Seite anschauen, was wir das letzte Mal nicht gemacht haben. Zuerst unternehmen wir jedoch nochmals einen Abstecher auf die argentinische Seite, wo man näher an die Wasserfälle herankommt. Wir haben bombastisches Wetter und laufen stundenlang durch das riesige Areal und sind auch jetzt immer noch sprachlos über die Schönheit dieses Naturwunders mit ihren 275 Wasserfällen.

Am nächsten Morgen steht dann die brasilianische Seite auf dem Programm. Bevor wir jedoch die Fälle zu Fuss erkunden, möchten wir uns diesmal dieses Naturschauspiel aus der Vogelperspektive anschauen, mein Geschenk zu Rogers rundem Geburtstag. Während rund 10 Minuten schwirren wir mit dem Helikopter über die tosenden Wasserfälle und bekommen so mal einen ganz anderen Eindruck über das imposante Gebiet. Wieder zurück am Boden, spazieren wir entlang schön angelegter Gehwege zu verschiedenen Aussichtspunkten, wo man herrliche Panorama-Ausblicke auf die berühmten Wasserfälle ergattern kann.

Ebenfalls ein Besuch wert ist der sensationell gestaltete Vogelpark „Parque das Aves“. In riesigen Volieren kann man aus nächster Nähe Tukane oder Aras beobachten, welche wir zwar alle schon in freier Wildbahn gesehen haben, aber halt nicht aus so naher Distanz. Teils Volieren sind sogar begehbar und die Vögel kommen hautnah auf Tuchfühlung. Apropos Tuchfühlung, einer der Aras meinte es diesbezüglich zu genau und erleichterte seinen Darm just in dem Moment, als er über mich flog. Roger kann sich kaum mehr halten vor lachen und meint: „Also wenn man von einer Taube angeschissen wird und dies Glück bringen soll, was meinst du wohl wie viel Glück man denn von Papageienkacke bekommen wird :-)“?

Mit „Foz do Iguaçu“ haben wir nun unsere letzte Station in Brasilien erreicht. Von hier geht es jetzt weiter über die Grenze nach Paraguay in ein Land, von dem wir eigentlich gar nicht viel wissen. Lassen wir uns überraschen!

Fazit Brasilien

Um in dem grössten Land Südamerikas zu reisen braucht man Zeit, sehr viel Zeit sogar. Die Distanzen sind enorm und mit dem neuen Reglement, dass man nur noch ein 3- Monatsvisum erhält und dann wieder für 3 Monate ausreisen muss, macht es nicht leichter dieses riesige Land zu bereisen. Zum Glück haben wir auf unserer ersten Südamerika-Reise Brasilien intensiv bereist, sodass wir uns diesmal die Rosinen herauspicken können.

Die Brasilianer sind unglaublich freundliche und hilfsbereite Menschen und obwohl es mit der portugiesischen Verständigung doch teilweise recht schwierig war, sind wir mit ihnen meistens sofort ins Gespräch gekommen. Das war sicher auch der Grund, dass wir uns immer sehr sicher und wohl gefühlt haben, auch beim „wild“ Campen. Selbst temperaturmässig war es für uns diesmal einfach perfekt. Obwohl wir im Winter reisten, stiegen die Temperaturen tagsüber zwar teilweise auf 35 Grad an, nachts kühlte es aber immer so auf 13 - 15 Grad ab. Besser geht es eigentlich gar nicht und so war für uns dieses Klima auch das angenehmste auf der ganzen bisherigen Reise.

Der einzige Nachteil - Brasilien ist für uns bis jetzt das teuerste Land in Südamerika, was sicher auch an den vielen Touren liegen mag, die wir in kurzer Zeit unternommen haben und uns auch lange im Pantanal, einer der teuersten Regionen Brasiliens, aufgehalten haben.

Brasilien war für uns damals schon und ist auch jetzt wieder ein absolutes Highlight und wir haben dieses Land nur sehr ungern verlassen. Hierher werden wir auf jeden Fall nochmals zurückkehren und dann intensiv das Amazonas-Gebiet bereisen. Nach so vielen Wochen im Pantanal, sind wir definitiv auf den Geschmack gekommen.

Wieviel hat uns Brasilien im Ganzen gekostet?

Erfahre hier mehr über unsere Ausgaben in Brasilien in unserer Rubrik Reisekosten.