nichtswieweg... vier Abenteurer unterwegs

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Gefahrene Route
Peru
Reisebericht vom 05.09.2016 bis 10.10.2016, Peru
Highlights: Cascada de Gocta, Sarcófagos de Karajía, Kuélap, Iglesía de Pollock, Laguna Sausacocha, Quebrada de Rio Santa, Cañon del Pato, Laguna Parón, Parque Nacional Puya Raimondii, Parque Nacional Huascarán, Huanuco - Pampa Vieja Ciudad del Inka, Ayacucho, Cusco, Salinas de Maras, Valle Sagrado, Ollantantambo und Pisac, Rainbow-Mountain

Schmale Bergpisten, Kulturelle Schätze, Herzliche Begegnungen, Halsbrecherische Autofahrer und ständige Höhen um die 4000m, Peru ist an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Abenteuerlich und anstrengend war es zugleich, zumal wir das komplette Land von Nord bis Süd ausschliesslich auf Bergstrecken durchquert haben.

Kurioser Grenzübergang nach Peru - Las Balsas (Cajamarca)

Obwohl wir schon so viele Grenzübergänge in Angriff genommen haben, ist jeder doch wieder anders in seiner Handhabung, so auch der kleinste Übergang zwischen Ecuador und Peru, Las Balsas.

Gegen Mittag erreichen wir die ecuadorianische Grenze und staunen nicht schlecht, als wir bei der Passkontrolle von einem kleinen Jungen begrüsst werden, den wir übrigens mit unserem Ankommen gleich bei seinem wichtigen TETRIS Spiel am Computer gestört haben. Wir fragen nach, ob denn sein Papa auch zu Hause wäre, denn wir würden gerne aus dem Land ausreisen. Er ruft etwas ins Hinterstübchen und sogleich taucht sein Vater, verschlafen und im Pyjama, auf. Huch, das war ihm vielleicht peinlich, als er uns da mit unseren Pässen stehen sieht. Nur eine Minute, ruft er uns zu und verschwindet sogleich wieder. Kurze Zeit später steht er erneut vor uns, diesmal mit frisch gegeelter Frisur und gestärkter Uniform. Aha, jetzt wird es also doch noch formell.

Auf der peruanischen Seite sieht es nicht anders aus. Hier wird zwar nicht TETRIS gespielt, denn um das zu tun, müsste der Computer zuerst mal funktionieren. Der verzweifelte Beamte rauft sich die Haare (erstaunlich, dass er überhaupt noch soviele auf dem Kopf hat), versucht vergebens das Helpdesk anzurufen und als nach fast einer Stunde immer noch nichts geht, sucht er Hilfe bei der angrenzenden Polizeistation (Rogers Hilfe wollte er nicht in Anspruch nehmen). Ein Polizist kommt vorbei, schaltet den Computer aus und wieder ein und siehe da, es funktioniert. Nun können wir „offiziell“ aus dem System ausgetragen werden und so geht es anschliessend weiter zum Zoll für die Fahrzeugpapiere.

Beim Zoll wartet wieder so ein Unikat auf uns, denn der Herr ist fast blind und kann unseren Fahrzeugausweis nicht lesen und als wir ihm noch sagen, dass wir mit einem Auto unterwegs sind, dass es gar nicht in seiner Liste geben wird, ist er der Verzweiflung nahe. Seine Idee ist, dass wir doch einfach in unser Zolldokument schreiben sollen, dass es sich hier um einen Mercedes Benz Unimog handeln würde, unser Duro sieht ja sowieso fast gleich aus. Wir intervenieren und schlussendlich sitzt Roger vor seinem Computer und füllt die Zollpapiere selber aus. Dass der Drucker übrigens auch noch defekt war, muss ich ja wahrscheinlich nicht noch separat erwähnen. So verbringen wir gute 3 Stunden an diesem winzigen Zoll, sind die einzigen Gäste und langsam aber sicher bin ich mir wirklich nicht mehr so sicher, ob die „kleinen“ Grenzübergänge wirklich eine schnellere Alternative zu den grossen Hauptübergängen sind.

Geplante Route durch Peru

Da wir auf unserer letzten Reise durch Peru während der Regenzeit unterwegs waren, haben wir uns vorwiegend die Sehenswürdigkeiten entlang der Küste angeschaut und die Bergstrecken mehr oder weniger ausgelassen. Dies möchten wir jetzt nachholen und so folgt unsere Tour diesmal durchs Hinterland, ohne einen Abstecher an die Küste.

Wasserfälle von Gocta (Amazonas)

Unser erstes „touristisches“ Ziel in Peru sind die 771m hohen Wasserfälle von Gocta, welche übrigens zu den höchsten Wasserfällen der Welt gehören und in ihrer Art sehr ähnlich dem Salto Angel in Venezuela sein sollen, welcher mit 992m der höchste Wasserfall auf unserem Planeten ist. So begnügen wir uns aber mit dem „kleineren“ Nachbarn und geniessen die herrliche und abwechslungsreiche Wanderung zu dem imposanten, zweigeteilten Wasserfall.

Die Sarkophage von Karajía (Amazonas)

Eine weitere Sehenswürdigkeit in dieser Region sind die „Sarkophage von Karajía“, eine kleine Ansammlung von Steinstatuen, welche sich an einer steilen und unzugänglichen Felswand in einer Einbuchtung befinden. Die aufrecht stehenden Sarkophage wurden als Ruhestätte mumifizierter Persönlichkeiten erbaut. Hoch über ihren Köpfen thronen noch immer Totenschädel und auf dem Gehweg sieht man menschliche Knochen. Da sie sich wie erwähnt in einer Felswand befinden, sind sie so auch von menschlichen Übeltätern weitgehendst geschützt und dementsprechend immer noch sehr gut erhalten.

Auf geht‘s zu den Wolkenkriegern - Ruine von Kuélap (Amazonas)

Aber die wahrscheinlich grösste Attraktion im Gebiet Chachapoyas sind die Ruinen von Kuélap, welche - so steht es im Reiseführer, den Ruinen von Machu Picchu in Nichts nahestehen sollen. Da sind wir mal gespannt. Leider ist es seit Kurzem nicht mehr möglich auf dem Parkplatz der Anlage zu übernachten und da der Weg nach Kuélap doch sehr weit und zeitintensiv ist, ist dies natürlich sehr schade, da wir gerne die Ruinen frühmorgens besichtigen würden. Aber wie heisst es noch: Wenn sich eine Türe schliesst, öffnet sich irgendwo ein Fenster. So auch jetzt. Eine unglaublich taffe Peruanerin hat eine neue Geschäftsidee entwickelt und nutzt ihr bislang nur für Schweine, Hühner- und Schafzucht gehaltenes Land NEU als Campingplatz (Floriz House). Es ist zwar alles noch im Aufbau, aber sie gibt Vollgas und die Lage ist einfach gigantisch. Und da sich der Eingang zu den Ruinen nur gerade mal 200m von ihrem Haus entfernet befindet, ist dies für uns natürlich perfekt.

So sind wir auch nicht die einzigen Gäste und als kurz nach unserem Eintreffen ein Defender 130, ebenfalls mit SZ Kennzeichen eintrifft, freuen wir uns sehr darüber. Tisch und Stühle werden ausgepackt und so verbringen wir einen geselligen Abend mit den zwei sympathischen Schwyzern Iris und Stefan und geniessen einen bombastischen Sundowner. Als die Temperaturen sinken, verschieben wir unser Gelage in den Mogli und so wird einfach drinnen bis in die frühen Morgenstunden weiter geplaudert.

Obwohl die Nacht recht kurz war, stehen wir am nächsten Morgen doch bereits zur Türöffnung bei den Ruinen. Wir sind die ersten Besucher und dürfen diese Stätte noch für ein Weilchen für uns ganz alleine geniessen. Stundenlang spazieren wir durch die riesige Anlage und staunen über die doch sehr spezielle Bauweise der Chachapoyas. Während die Inkas ihre Häuser mit geradem Mauerwerk erbauten, so müssen die Wolkenkrieger auf rundes Mauerwerk gestanden haben, denn überall in der Anlage sieht man noch die letzten Überreste der kreisförmigen Hausmauern.

Obwohl uns Kuélap sehr gut gefallen hat und es sich auf jeden Fall lohnt, diese Stätte zu besichtigen, fanden wir jetzt persönlich Machu Picchu trotzdem um einiges mystischer und faszinierender.

Die Mosaik-Kirche in Pollock (Cajamarca)

Ein ganz besonderer Ort im Norden von Peru befindet sich für uns in Pollock, einem kleinen, verschlafenen Nest. Hierher verirren sich noch nicht viele Touristen, obwohl sich das bestimmt bald ändern wird, denn in diesem kleinen Ort befindet sich eine Kirche, welche komplett mit Mosaiksteinen verziert wurde. Die Kirche wurde erst vor 3 Jahren erbaut, alles von Hand aus der vom Dorf stammenden Schüler bzw. Kunststudenten im Alter zwischen 13 und 16 Jahren. Die Spendengelder stammen von einem „Padre“ aus Italien und weil sie mit ihrer Kirche soviel Erfolg haben, wurden einige Schüler sogar nach Italien entsandt um bei Kirchen-Renovationsarbeiten mitzuhelfen. Ein älterer Schüler führt uns herum und hat richtig Freude, dass sogar Besucher aus der Schweiz hergekommen sind, um sich die Kirche anzuschauen. Wir sind von dem Projekt so begeistert, dass auch wir etwas spenden möchten und so in ein paar zukünftige Mosaiksteine investieren können.

Von Rowdies und Strassen-Chaos in Peru (Cajamarca)

So schön die Fahrt durchs peruanische Hinterland auch ist, so anstrengend kann sie teilweise sein. Die Strassen/Pisten sind oft nur einspurig und dementsprechend sehr schmal und wer schon mal in Peru unterwegs war weiss, wie halsbrecherisch die „Möchtegern“ Formel-1 Piloten unterwegs sind. Zu ihren Lieblingsmanövern zählen vor allem das Überholen vor Kurven. Dazu kommen die vielen Baustellen, wo die Strecke oft für beide Seiten stundenlang gesperrt wird und dann das Chaos perfekt ist, wenn sie auf einspurigen Strassen beide Richtungen gleichzeitig auf einander loslassen, so wie heute. Irgendwie erinnern uns diese Szenen dann jeweils ans „American Football“, wo sie mit den Köpfen aufeinander losgehen, hier machen sie das gleiche, einfach nur mit dem Auto.

Hinter uns wartet ein grosser Reisebus und zuvorderst an der Reihe sind wir. Der Schweizer verhält sich natürlich anständig und wartet schön, bis das ganze Gedrängel vorbei ist, denn Platz zum Kreuzen haben wir sowieso nicht. Nur ist aber der Bus hinter uns nicht so clever und will vorbei drängeln, dabei sperrt er gerade die ganze Strasse zu. Jetzt ist wirklich Pat-Situation. Chaos bricht aus und jeder schnauzt den anderen an. Die Person, welche eigentlich zuständig gewesen wäre um den Verkehr zu regeln, verdrückt genüsslich ihr Sandwich und schaut ratlos dem Treiben zu. So geht es nicht weiter. Ich steige aus und suche den Fahrer des entgegenkommenden Fahrzeuges auf. Wenn er ein bisschen mehr Bergseite fahren würde hätten wir die Möglichkeit, an ihm vorbeizukommen und der Bus könnte uns folgen. Aber der Fahrer denkt gar nicht daran, viel zu gefährlich, meint er. Ich biete ihm an, dass ich sein Auto fahren werde, wenn er sich nicht getraut. Das war genau der richtige Schachzug, denn so etwas lässt sich ein Mann natürlich nicht bieten. Und siehe da, es geht wieder weiter.

Die imposanteste Bergkette Perus - die Cordillera Blanca (Ancash)

Auf unserer letzten Reise durch Peru haben wir von der Cordillera Blanca gerade mal die Naturgewalten gesehen und das war Regen, Schnee und dicke Wolken. So haben wir den Ausgangspunkt „Huaraz“ auch in „Huara-Nass“ umgetauft.

Einzig mit den Ruinen von Chavín de Huántar war uns Petrus damals wohl gesinnt. Diesmal scheinen wir mehr Glück zu haben und geniessen die Bergkette von ihrer schönsten Seite. Dafür hat der berühmte „Cañon del Pato“ alias die Entenschlucht mit seinen vielen engen und unbeleuchteten Tunnels doch einiges an Abenteuercharakter verloren, seitdem die Strasse asphaltiert wurde. Aber zum Glück gibt es noch einige andere Plätze, wo man seinen 4x4 artgerecht halten kann. So zum Beispiel die Anfahrt zu der Laguna Parón. Wunderschön glitzert sie da mit ihrem türkisfarbenen Wasser und im Hintergrund sieht man den markanten Berg, welcher der Filmindustrie des „Paramount Pictures“ als Vorlage diente. Auf 4200m verbringen wir hier in totaler Einsamkeit unseren Hochzeitstag. Es gibt heissen Coca-Tee und selbst gemachte Bündner-Gerstensuppe. Kann man sich einen schöneren Hochzeitstag vorstellen? Wir nicht!

Unsere Fahrt geht weiter durch den Parque Nacional Huascarán und zu den grössten Ananasgewächsen der Erde, zu den Puya Raimondiis. Diese eigenartigen, bis zu 10m hohen Gewächse können über 100 Jahre alt werden und sterben nach einmaliger Blüte ab. Wenn Sie blühen, dann zwischen Mai und Oktober und da wir jetzt gerade zur richtigen Zeit hier sind, sehen wir diese wunderschönen Exemplare gerade in ihrer Hauptblüte.

Auf Natur folgt wieder Kultur (Huánuco und Ayacucho)

Wir fahren weiter durch die Berge und schauen uns viele kleine, unbekannte Inka-Stätten an, wie z.B. die „Pampa Vieja Ciudad del Inka“. Schön und ruhig auf einem kleinen Plateau gelegen, dürfen wir gleich am Eingang übernachten und sind am Morgen dann auch wieder die einzigen Gäste. Langsam aber sicher gewöhnen wir uns daran, nichts mit anderen teilen zu müssen.

In Ayacucho, einer andinen Perle, wie wir die Stadt getauft haben, verbringen wir ein paar gemütliche Tage, bevor wir uns in die Touristen-Hochburg und ehemalige Inka-Hauptstadt „Cusco“ begeben.

Ein Unglück kommt selten allein - krank und ein Autounfall in Cusco (Cusco)

Wie auch schon vor 10 Jahren, gehört für uns Cusco immer noch zu den schönsten Städten Südamerikas und auch der Campingplatz „Quinta Lala“ ist immer noch der Gleiche. Zudem treffen wir uns hier auch wieder mit Claudia und David, wo wir uns immer besonders über ein Wiedersehen freuen. Eigentlich planten wir David‘s Geburtstag kräftig nachzufeiern, aber da wird leider nichts draus, denn es haut Roger und mich wortwörtlich ins Bett. Während es Roger zwar bereits nach ein paar Tagen wieder besser geht, bringe ich die hartnäckige Grippe einfach nicht so recht los. Trotzdem entscheiden wir uns, nach einer Woche weiterzufahren. Wären wir doch nur noch einen Tag länger geblieben ...

Wir sind noch keine 2km vom Campinglatz entfernt, als ein grosser Personenbus rückwärts den Hang runter fährt und unseren, in einer Kolonne stehenden Duro frontal rammt. Autsch, das tönt gar nicht gut. Ich steige sofort aus um nachzuschauen, wie gross denn der Schaden ist, als der Bus auf einmal ein Stück vorwärts fährt, erneut den Rückwärtsgang einlegt und gleich nochmals in uns hineinknallt. Ich traue meinen Augen nicht, wie blöd kann man eigentlich sein?! So, jetzt ist aber Schluss mit Freundlichkeiten. Der Buschauffeur merkt, dass ich nicht mehr gut gelaunt bin und drückt aufs Gaspedal, immerhin diesmal in die richtige Richtung. Ich gebe Roger ein Zeichen, er folgt dem Bus und ich regle mal wieder den Verkehr. Langsam habe ich ja Übung darin. Roger bringt den Bus nach wenigen Metern zu stoppen und ab jetzt geht es wirklich ans Eingemachte.

Da wir merken, dass der Busfahrer und auch die Geldeinkassiererin, welche hier jeweils in den Bussen mitfahren, keine Anstalten machen sich an unserem Schaden zu beteiligen, lassen wir die Polizei kommen. Ob das zwar in Peru eine gute Idee ist, wissen wir auch nicht. Die Buspassagiere steigen aus und schwatzen alle gleichzeitig auf uns ein: „Ihr seid doch die reichen ,Gringos‘ und habt genug Geld, das selber zu bezahlen!“ Wieder einmal eine Situation mehr in der wir froh sind, dass wir Beide Spanisch sprechen. Denn in solchen Momenten kann man nicht auf Hilfe der Einheimischen hoffen, man wird immer der Ausländer bleiben. Nach 1,5 Stunden taucht dann die Polizei auf und jetzt wird es immer besser. Mittlerweile behauptet nämlich der Busfahrer, dass wir an dem Unfall Schuld wären. Wir hätten zuwenig Abstand gehalten.

So dauern die Diskussionen ewig und es kommt, dass beide Fahrer samt Fahrzeugen aufs Hauptkommissariat nach Cusco müssen. Hier heisst es Schlüssel abgeben und das Fahrzeug ist konfisziert, bis alles geregelt ist. Mittlerweile hat der Busfahrer seine Schuld eingestanden und sich sogar bei uns für den entstandenen Schaden entschuldigt. Seine Beteiligung von $60.00 ist für uns natürlich nicht viel, unser Schaden beläuft sich auf weit über $1‘000.00. Uns geht es bei dieser Sache in erster Linie auch gar nicht ums Geld sondern nur darum, dass diese rücksichtslosen- und verantwortungslosen Autofahrer vielleicht beim nächsten Mal endlich einen Blick in den Spiegel werfen. Und hätte er einfach nur von Anfang an mal „Entschuldigung“ gesagt, hätten wir es auf dem beruhen lassen.

Als sich Roger und der Busfahrer geeinigt haben, müssen sie noch einen Anwalt aufsuchen, um die vertragliche Einverständniserklärung beglaubigen zu lassen, erst dann werden die Fahrzeugschlüssel wieder ausgehändigt. So können wir nach 8 Stunden dann endlich wieder unseren Mogli abholen, zwar mit verbeulter und an mehreren Stellen gerissener Stossstange, aber immerhin sind wir nun als Dreiergespann wieder unterwegs.

Von Ruinen und Salzterassen im „Heiligen Tal der Inkas“ (Cusco)

Nach diesem Intermezzo möchten wir nur noch raus aus der Stadt und so fahren wir ins „Valle Sagrado“, was soviel heisst wie das „heilige Tal“. Hier schauen wir uns nebst den Inka-Ruinen von Ollantantambo sowie Pisac auch die Salzterrassen von Maras an. Eine stark salzhaltige Quelle versorgt fast 4000 Becken mit Wasser. Etwa 4 Wochen dauert es, bis das Wasser vollständig verdunstet ist und das Salz heraus gepickelt werden kann. Anschliessend werden die 50kg schweren, mit Salz gefüllten Säcken, von den Männern zur weiteren Verarbeitung den Berg hochgetragen. Eine unglaubliche anstrengende und aufwendige Art der Salzgewinnung.

Traumhafte Landschaft und herzliche Begegnungen - Rainbow Mountain (Cusco)

Unser letzter Abstecher in Peru gilt einer der faszinierendsten Landschaften, welche wir hier zu Gesicht bekommen haben. Via Pitumarca fahren wir in ein Tal hinein, wo wir nicht mal einen Namen dafür auf der Karte gefunden haben. Über eine enge Piste schraubt sich der Weg in die Berge hoch und die Landschaft wird von Minute zu Minute schöner. Die Einheimischen winken uns fröhlich zu und die Lamas schauen uns genau so interessiert an, wie wir sie. Aber hier in diesem unbekannten Tal gibt es nicht nur schöne Gegend, nein, hier wartet auch einer der wahrscheinlich farbenprächtigsten Berge Perus auf uns.

Da wir beim Startpunkt des Wanderweges keinen ebenen Platz zum Übernachten finden, fahren wir wieder etwas weiter hinunter, zum Leidwesen von Roger. Denn die zusätzlichen Höhenmeter zum Ausgangspunkt muss er jetzt auch noch zusätzlich hochlaufen. Da ich von meiner Grippe immer noch nicht vollständig kuriert bin, entschliesse ich mich, nicht mitzugehen. Das reut mich schon gewaltig, aber 850 Höhenmeter hoch auf über 5000m zu laufen, da muss man fit sein. So bleibe ich wohl oder übel zurück, als Roger alleine um 05.30 Uhr zur Wanderung aufbricht und kann es kaum glauben, als er bereits nach 10.00 Uhr wieder zurückkommt, mit traumhaften Fotos vom Rainbow Mountain in der Tasche. Wie es scheint, hat sich unser wochenlanges Höhentraining bezahlbar gemacht. Die ganze Wanderung wurde er übrigens von einem treuherzigen Hund begleitet, der auch jetzt nicht von seiner Seite weicht.

Wir können uns von diesem traumhaften Panorama einfach nicht loslösen und sitzen noch eine Weile draussen, als eine Hirtin auf uns zukommt. Sie ist völlig fasziniert von unserem Auto und als ich sie frage, ob sie es denn gerne mal von innen anschauen möchte, ist sie nur noch aus dem Häuschen. Sie bleibt eine Weile bei uns und wir sprechen über Gott und die Welt. Auf einmal nimmt sie mich in den Arm und drückt mir einen Kuss auf die Backe. Ich bin so etwas von sprachlos, dass ich gar nicht mehr weiss, was ich sagen soll. Das ist schon eine sehr intime Geste für eine Indigene, die normalerweise sehr zurückhaltend sind. Für uns ist dieser Abstecher in das Tal ohne Namen, aber dafür mit dem farbigsten Berg, einer der schönsten Gegenden und einer der eindrücklichsten Plätze, die wir in Peru besucht haben. Es muss nicht immer das Spektakulärste sein, um einem ein Leben lang in Erinnerung zu bleiben, eine Begegnung wie die mit dieser netten Hirtin, bedeuten uns eigentlich viel mehr.

Fazit Peru

Peru war für uns, von allen bisher bereisten Ländern, sicher das anstrengendste Reiseland. Das haben wir uns aber auch bedingt durch die Routenwahl, alles durch die Berge zu fahren, selber so ausgesucht. Wir waren ständig in Höhen um die 4000m unterwegs, es war oft schwer einen guten Übernachtungsplatz zu finden abseits der engen Bergstrassen, dazu kamen die unzähligen Baustellen mit stundenlangem Warten, welche uns das rechtzeitige Weiterkommen vor Einbruch der Dunkelheit erschwerten. Auch war Peru für uns bisher das erste Land, wo man uns ständig mit „Gringo“ (kein nettes Wort für Ausländer) angesprochen hat.

Nichts desto trotz hat uns Peru wirklich gut gefallen. Das Land hat unglaublich viel an kulturellen Schätzen zu bieten, Landschaften wie aus dem Bilderbuch und auch mit den Einheimischen haben wir sehr nette Bekanntschaften gemacht. Ausser in den Städten haben wir immer wild gecampt, was ebenfalls problemlos möglich war. Selbst die Polizei hat sich in den letzten 10 Jahren richtig gemacht, meistens wurden wir bei Kontrollen durch gewunken oder falls wir mal gestoppt wurden, war es einfach nur zum „Plaudern“.