nichtswieweg... vier Abenteurer unterwegs

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Gefahrene Route
Panama
Reisebericht vom 19.05.2016 bis 12.06.2016, Panama
Highlights: Boquete, Vulkan Barú, Las Lajas, Panama City, Panamakanal, Gatún Schleusen, Agua Clara Schleusen, San Blas Inseln

Oh, wie schön ist Panama! Schon alleine die Überschrift von Janosch's Kinderbuch klingt vielversprechend. Bananen, ja von denen gibt es wirklich viele, aber nicht nur das, auch Vulkane, eine top moderne Megametropole, der berühmte Panamakanal sowie die paradiesischen Inseln von San Blas, all das erwartete uns im südlichsten Land Zentralamerikas.

Letzter Grenzübergang in Zentralamerika

Viele Grenzen haben wir mittlerweile passiert und so nehmen wir nun auch den letzten relativ gelassen in Angriff. Wie wir von anderen Reisenden gehört haben, soll die Abfertigung in Guabito relativ zügig von statten gehen. Aber meistens genau dann, wenn man sich auf so etwas einstellt, kommt es anders. So warten wir nur mal auf der Costa Rica Seite über eine Stunde, bis wir den Versicherungsschein für die obligatorische KFZ-Versicherung für Panama ausgestellt bekommen. Auf der Panama Seite ticken dann die Uhren nochmals ein bisschen langsamer und wieder einmal ist Geduld angesagt. Für die Ausstellung einer Quittung der ebenfalls obligatorischen Fahrzeugdesinfektion benötigt der Beamte doch über eine halbe Stunde, da er Rogers Handschrift nicht lesen kann. Es sind nur 2 Buchstaben und 5 Zahlen die er in seinen Computer tippen muss, aber gut Ding will Weile haben. Auch das mehrmalige Vorlesen der Zahlen hilft nichts, der Herr macht auf stur und erklärt Roger, wie man die Zahlen korrekt zu schreiben hätte. Ein kleiner Hinweis, dass die Zahlen 1 und 9 oberhalb auf seiner riesigen Uhr genau gleich geschrieben wären, bringt ebenfalls nicht. Na ja, irgendwann schafft er es dann trotzdem unser Nummernschild in seinen Computer einzutippen und wir ziehen weiter zum nächsten Schalter.

Hier haben wir Glück und erhalten eine wahre Arbeitsbiene. Diesmal sind nicht die Nummern ein Problem, sondern er versteht nicht was der Unterschied zwischen Suiza (Schweiz) und Suecia (Schweden) sein soll. Dass dies zwei verschiedene Länder sein sollen, scheint unbegreiflich. Nach mehrmaligem Erklärungsversuch dass es für uns sehr wichtig ist, dass in unseren Fahrzeugpapieren das richtige Herkunftsland steht, kommt uns ein anderer Reisende mit Muttersprache Spanisch zu Hilfe. Aber auch er kann den Zollbeamten nicht überzeugen. So warten wir mal wieder und dass es seit Stunden in Strömen regnet, macht ja auch nichts. Glücklicherweise müssen wir nirgends anstehen, sonst hätten wir wahrscheinlich den ganzen Tag für den Grenzübertritt gebraucht. Aber so benötigen wir lediglich 3,5 Stunden und wenn das Land so schön ist wie in Janoschs Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ beschrieben, dann hat es sich doch gelohnt.

Abkühlung in Boquete und die Besteigung des Vulkans Barú!

Unser nächstes Ziel ist das auf 1000m gelegene Dorf Boquete. Schon alleine die Fahrt hierher ist unglaublich schön, es geht abwechslungs- und kurvenreich durch dichten Regenwald und immer wieder erhascht man schöne Ausblicke auf die Inselwelt der berühmten Bocas del Toro, einem Inselarchipel vor der Karibikküste Panamas. Wir quartieren uns bei der Pension Topas ein, wo wir auf ihrem kleinen Platz campieren und endlich mal wieder unter einem richtigen Nadelbaum übernachten dürfen. Kaum sind wir da, gesellen sich noch zwei andere Reisefahrzeuge zu uns und als dann ebenfalls noch Claudia und David eintreffen, herrschen dann schon richtig enge Platzverhältnisse. Aber Reisende sind zum Glück ja flexibel. Wir geniessen hier die kühleren Temperaturen, den super gut sortierten Supermarkt in der Nähe und das gemütliche Ambiente des Platzes.

Ein weiterer Grund aber weshalb es Reisende in diese Gegend zieht ist der 3475m hohe Vulkan Barú, welcher als höchster Berg des Landes gilt. Claudia, David und Roger möchten diesen besteigen, ich habe aufgrund meines Bänderrisses noch Schonfrist und halte die Stellung im Mogli.

Um 05.00 Uhr früh startet der Wandertrupp bereits Richtung Eingang des Nationalparks Barú. Von da gilt es dann während 11.5 Kilometer insgesamt 1800 Höhenmeter bis zum Gipfel zu überwinden, welche die drei innerhalb von 6 Stunden meistern. Da es relativ steil bergaufwärts geht ist die Wandergruppe nicht unglücklich darüber, dass sie sich für den Weg hinunter eine Mitfahrgelegenheit organisieren können. Auf dem Gipfel befinden sich mehrere Sendemasten, welche regelmässig gewartet werden müssen, und so kommt es gelegentlich vor, dass man trotz des unwegsamen und steilen Geländes unterwegs auf ein Fahrzeug trifft. Heute ist ein solcher Tag und so muss glücklicherweise der strapaziöse Weg nicht auch noch hinuntergelaufen werden. So treffen die Drei dann auch einiges früher als erwartet wieder zurück bei der Pension ein, glücklich aber auch ziemlich müde.

Panama City

Bevor wir uns auf den langen Weg in die Hauptstadt des Landes aufmachen, legen wir zuvor noch einen zweitägigen Stopp in Las Lajas, einem kleinen Ort an der Pazifikküste, ein. Hier bekommen wir die Tücken der Regenzeit hautnah zu spüren. Gewaltige Gewitterfronten und sintflutartige Regenfälle begleiten uns fast täglich, die Luftfeuchtigkeit beträgt 100%. Aber immerhin, kommt ein „Sprutz“ herunter kühlt es dann für ein paar Minuten ab, so hat doch alles etwas Gutes.

Wir erreichen Panama City in einem einzigartigen Verkehrschaos. Für 8km benötigen wir 3 Stunden, die Unfälle reihen sich einer nach dem anderen. Haben wir zuvor die Panamesen als rücksichtsvolle Autofahrer kennengelernt, ändert sich alles in der Hauptstadt. Hier wird aggressiv gefahren, gedrängelt und gehupt was das Zeug hält. So erstaunt es einen auch nicht, dass man nur sehr wenige unverbeulte Fahrzeuge antrifft. Wir sind froh, dass wir in unserem Mogli so hoch sitzen und eine gigantische Aussicht aus unserer Führerkabine haben um das Geschehen gut zu beobachten, das erleichtert einiges. Es ist bereits stockdunkel, als wir den Balboa Yachtclub erreichen. Wir suchen uns in einer Seitengasse einen Platz zum Übernachten, obwohl es nicht gerade sehr einladend wirkt. Na ja, je später der Abend, desto weniger anspruchsvoll werden die Übernachtungsplätze.

Als am nächsten Morgen dann Claudia und David eintreffen entscheiden wir uns, einen anderen Platz zu suchen. Hinter dem Hotel Country Inn befindet sich eine Sackgasse, welche nun für eine Woche zu unserem zu Hause werden wird. Die Lage ist gar nicht schlecht, wir nächtigen direkt am Ein- bzw. Ausgang des Panamakanals und haben einen fantastischen Blick auf die „Puente de las Américas“, welche zu den grössten Stahlbrücken der Welt zählt, und das alles kostenlos. Einziger Haken sind nur wieder einmal mehr die heimtückischen Mücken, welche sich doch tatsächlich in unserem Duro häuslich niedergelassen haben. Trotz unserer Mückennetze haben wir mehr Mücken im Auto drinnen als draussen, wie kann das nur sein? Wir sprühen abends Gift um die Viecher auszuräuchern, aber pünktlich zur Bettgehzeit sind sie wieder da und treiben uns mit den schmerzenden Stichen fast in den Wahnsinn. Auch Claudia und David haben dasselbe Problem, wir sind alle ratlos. Ein paar Tage später finden wir dann des Rätsels Lösung. Die Mücken haben sich in unserem Abwassertank niedergelassen und sind dann jeweils durch den Siphon hochgestiegen, deshalb haben wir sie zuvor nie gesehen. Tja - da hilft nur heisses Wasser und jede Menge Chlortabletten in den Tank geben und siehe da, unsere ungewollten Mitbewohner sind wieder ausgezogen.

Nebst der administrativen Vorbereitung zur Fahrzeugverschiffung darf natürlich ein bisschen Sightseeing nicht fehlen. So schauen wir uns die Highlights der Millionen-Stadt auf einem Hop-On/Hop-Off-Bus an, wo man an allen interessanten Stationen aussteigen kann. Die Gegensätze in Panama City könnten nicht grösser sein. Kaum blickt man auf eine pompöse, von Wolkenkratzern dominierende Skyline, fährt man anschliessend durch die heruntergekommensten Armensiedlungen. Dass hier Reich und Arm so nah beieinander leben kann, ist kaum vorstellbar. Der für uns interessanteste Teil in Panama City befindet sich aber im „Casco Viejo“, der Altstadt. Hier findet man unzählige schön restaurierte Gebäude vor, Läden mit traditionellem Kunsthandwerk der Kuna-Indianer und gemütlichen Restaurants.

Ebenfalls in Panama City müssen wir die Polizeiinspektion am Auto durchführen lassen, welche für die Fahrzeugausfuhr bzw. Verschiffung nach Kolumbien obligatorisch ist.

Colón sowie die Panamakanal-Schleusen Agua Clara und Gatún

So führt uns unsere letzte Station in Panama nach Colón, welche als eine der schmutzigsten und gefährlichsten Städte der Welt gilt. Kaum ein Reisender würde sich wahrscheinlich freiwillig in diesem Moloch aufhalten, würde sich hier nicht der Hafen für die Verschiffung nach Kolumbien befinden. Aber auch wenn die Stadt nicht mit Sehenswürdigkeiten auftrumpfen kann, lohnt es sich trotzdem für einen kurzen Abstecher hierher zu kommen. Denn die Besichtigung des Panamakanals mit der Dreifach-Stufenschleuse Gatún, welche die Schiffe 26m auf Level des Gatún See bringt bzw. wieder zurück auf das Atlantik Niveau befördert, gehört sicherlich zu einem Highlight einer jeden Panama-Reise.

Im August 2010 standen wir schon einmal an dieser Schleuse, doch waren wir damals als Passagiere auf einem Frachtschiff unterwegs und die Durchquerung des Panamakanals lag noch vor uns. Für diejenigen welche es interessiert, gibt es hier noch unser damaliges Video über diese Passage.

Heute stehen wir wieder hier, doch diesmal vor der neuen Dreifach-Stufenschleuse „Agua Clara“, welche am 26.06.2016, mit eineinhalb Jahren Verspätung, feierlich eingeweiht und eröffnet wird. Durch diese neue Schleuse ist es möglich, auch Superfrachter mit bis zu einer Länge von 366m abzufertigen, was vorher nur Schiffen mit bis zu einer Länge von 294m vorbehalten war. Obwohl die Schleusen noch nicht in Betrieb sind, ist das Visitor Centre bereits geöffnet und wir dürfen uns zu den ersten Besuchern zählen.

Durch die Eröffnung dieses neuen Zentrums wurde leider die Besucherplattform der Gatún-Schleusen geschlossen, wo man eigentlich viel näher am Geschehen gewesen wäre. Aber na ja, wir kennen da noch einen Trick 77. Wenn wir die Schleusen schon nicht mehr besichtigen dürfen, dann fahren wir halt durch den Kanal, ganz einfach, oder? Bei der letzten Schleuse gibt es eine Art Brücke, wo man den Kanal durchqueren kann. Claudia und ich fragen bei einem Wärter nach, ob wir da durchfahren dürfen. Nachdem wir eine Moralpredigt erhalten haben, dass es sich hiermit um keine Touristenattraktion handeln würde und wir ja nicht anhalten und Fotos machen dürfen, lässt er uns doch passieren. Wir Beide gehen zu Fuss, Roger und David fahren mit unseren Gefährten nach. Und weil Frau ja zwei Sachen gleichzeitig machen kann, wird das Foto halt im Rückwärtsgehen geschossen, ist ja nicht verboten, auch wenn der Wärter das nicht so sieht. Aber immerhin, das Bild ist im Kasten und wir haben eine „schiess“ Freude, mit dem Auto den Panamakanal durchquert zu haben.

Fahrzeugverschiffung Panama - Kolumbien

Zurück in Colón, haben wir nun einiges für die Fahrzeugverschiffung zu organisieren. Viele, die vielleicht nicht so vertraut sind mit der Panamericana, werden sich wahrscheinlich fragen, weshalb wir denn überhaupt unser Fahrzeug verschiffen müssen. Der Grund heisst „Tapón del Daríen“ und ist ein 110km langes Gebiet zwischen Panama und Kolumbien, wo es keine Strasse und kein Durchkommen für Fahrzeuge gibt. Auch gilt das Gebiet als Hotspot für Drogentransporte und Guerillaaktivitäten, vor allem auf kolumbianischer Seite. So bleibt uns nichts anderes übrig, als den Wasserweg zu nehmen.

Da wir in keinen Container passen, haben wir uns für die Ro/Ro Variante mit Wallenius Wilhelmsen entschieden. Wir haben Glück, dass Marita und Jan, zwei liebe Reisefreunde welche wir bereits im Yukon kennengelernt haben, einen Monat vor uns mit der gleichen Reederei verschifft haben und wir so von ihren super Tipps profitieren können. So wird es für uns auch einfach, auf die Hilfe eines Agenten zu verzichten. Nochmals ganz herzlichen Dank euch Beiden für die tolle Anleitung!

Da für die Verschiffung relativ viele verschiedene Schritte nötig waren, haben wir diesbezüglich eine Anleitung erstellt und diese unter Tipps und Tricks (Fahrzeugverschiffung) veröffentlicht.

So stehen wir nun also am Hafen in Colón, die Koffer sind gepackt und unsere beiden Reisegefährten Hägar (Auto von Claudia und David) und Mogli warten auf die Überfahrt. Hoffentlich geht alles gut, denken wir etwas schwermütig nach. Denn bei vielen Reisenden wurde während der Verschiffung in die Autos eingebrochen, Sachen demoliert und gestohlen oder einfach grundlos Schaden angerichtet. Aus Sicherheitsgründen haben wir extra eine Trennwand zwischen Führer- und Wohnkabine eingebaut, alle Wertsachen herausgenommen und zwei Kruzifixe in der Führerkabine aufgehängt. Kruzifixe - wieso das denn, mag man sich fragen? Tja - ganz einfach, die Latinos sind ja in der Regel strenggläubige Christen und wenn da so ein Kreuz hängt überlegt sich vielleicht derjenige, der schlechte Absichten hegen würde, schon noch mal, ob er jetzt wirklich sündigen soll :-).

Segeltrip von Panama nach Kolumbien via die San Blas Inseln - 6 Tage/5 Nächte

Um nach Kolumbien zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten, entweder über den Luft- oder den Seeweg. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden. Lange haben wir gesucht und die Hoffnung schon fast aufgegeben, als Claudia doch noch etwas Passendes findet, denn entweder waren die Schiffe zu gross (Partyschiffe) oder der Termin passte nicht. So werden wir aber doch noch fündig und buchen die „SY Eucalyptus“, ein kleines Segelboot mit max. 5 Passagieren. Unsere Tour startet von Portobelo aus, einem kleinen Hafenstädtchen, welches etwa 30km von Colón entfernt liegt. Mit auf dem Schiff ist German, unser kolumbianischer Kapitän, sowie unsere argentinische Crew Ayhelene und dann natürlich wir Vier.

Hauptmerkmal dieser Reise sind die traumhaft schönen San Blas Inseln, mit ihren weissen Sandstränden und dem türkis farbigen Wasser. Lediglich 57 der insgesamt 365 Inseln sind bewohnt und dies ausschliesslich von den Kuna-Indianern.

Viele Segler haben hier eine Heimat gefunden, so wie auch unser Kapitän German. Sein zu Hause ist der Ankerplatz bei der für uns schönsten Insel Chichime. Wir schippern von Insel zu Insel, schwimmen und schnorcheln im Wasser, was so warm ist wie eine Badewanne. Abends gibt es für die Fischliebhaber unter uns den frischen Fang von den Kuna-Indianern auf den Tisch, einfach paradiesisch schön. Bevor es dann aber zur langen Überfahrt nach Cartagena geht, müssen wir bzw. der Kapitän noch die Ausreise aus Panama regeln. Da die Kosten für die Ausreise in Portobelo zu hoch waren hat er sich entschieden, dies in Puerto Obaldía zu tun, einer Grenzstation im Darien Gap. Hmm, schon ein bisschen ein komisches Gefühl, so nah am Darien Gap vorbeizusegeln wenn man eben bedenkt, dass hier der ganze Drogenschmuggel auf dem Wasserweg transportiert wird.

So kommt es auch, dass wir tagsüber ankern müssen und erst um Mitternacht los segeln können. Viel Piraterie würde es in dieser Gegend geben und so wäre es sicherer, nachts zu segeln. Na ja, wir vertrauen jetzt einfach mal unserem Kapitän, der weiss schon was er tut. Morgens um 08.00 Uhr erreichen wir dann den Grenzposten, drei Stunden später sind wir unterwegs und haben nun unseren Ausreisestempel im Darien Gap bekommen, schon irgendwie toll, nicht. Ab hier beginnt nun die lange Überfahrt nach Cartagena, welche zwei Tage lang dauert, ohne Land - nur Wasser. Es schaukelt, stürmt, blitzt und donnert und an Schlaf ist nicht zu denken. Obwohl wir todmüde sind, lassen wir es uns nicht nehmen, bei der Einfahrt in den Hafen von Cartagena (Kolumbien) mit einem Gläschen „Flor de Caña“, unser aller Lieblingsrum aus Nicaragua, anzustossen. Auf einen unvergesslichen Segeltrip, eine fantastische Reise durch Mittelamerika und auf hoffentlich viele, schöne Momente in Südamerika.

Hasta luego en Colombia!