nichtswieweg... vier Abenteurer unterwegs

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Gefahrene Route
Bolivien Teil 2
Reisebericht vom 09.05.2017 bis 31.05.2017, Bolivien
Highlights: Tarija, Potosí, Sucre, Ruta del Che (La Higuera), Santa Cruz de la Sierra, San José de Chiquitos, Puerto Suarez

Während in „Bolivien Teil 1“ mehr die landschaftlichen Aspekte im Vordergrund standen, tauchen wir diesmal in die kulturelle Vielfalt dieses abwechslungsreichen Andenstaates ein. Kunterbunter hätte es wohl nicht sein können, seien es die farbenprächtigen Märkte, Folklore-Shows mit landestypischen Tänzen oder die alljährliche Auto-Rallye durch die Landeshauptstadt. Mit einer Fahrt auf der legendären „Ruta del Che“ runden wir unsere Tour durch Bolivien ab.

Einreise nach Bolivien - sehr variabel

Frühmorgens erreichen wir den kleinen Grenzposten in Bermejo, welcher den Norden Argentiniens mit Bolivien verbindet. Alles geht ruckzuck vonstatten und wir erhalten 30 Tage Aufenthalt während unser Duro sogar eine 6-monatige Aufenthaltsgenehmigung bekommt. Es ist schon lustig, dreimal sind wir jetzt auf dieser Reise nach Bolivien eingereist und haben jedes Mal eine andere Aufenthaltsdauer bekommen. Das erste Mal 30 Tage für Personen und Fahrzeug, das zweite Mal je 90 Tage und diesmal wieder etwas komplett anderes. Na ja, wir sind ja flexibel.

Südboliviens Weinregion

Sind wir bislang in Bolivien meist durch trockene und karge Gegenden unterwegs gewesen, lernen wir auf dieser Tour das Land von seiner abwechslungsreichen und grünen Landschaft kennen, der Weinregion rund um Tarija. Im Süden des Landes und auf angenehmen 1’924m ü. M. gelegen, reihen sich im „Valle de Concepción“ die Weingüter aneinander und laden zu Weindegustationen ein. Aber das lassen wir diesmal bleiben, da uns der bolivianische Wein sowieso ein bisschen zu süss ist und wir bereits in Argentinien ausgiebig verschiedene Bodegas besichtigt haben.

Herzlicher Empfang in Tarija

Wir legen aber eine kurze Fahrpause in Tarija ein und finden einen gemütlichen Übernachtungsplatz im „Centro Cultural“, wo Reisende mit Fahrzeug sicher übernachten können. Hier werden wir sehr herzlich von dem Gastgeberpaar Fernanda und Pablo „Willkommen“ geheissen. Ach ist das wieder herrlich, das schön klingende Spanisch der Bolivianer zu hören, eine wahre Freude. Neben dem heftigen Slang der Argentinier und dem Nuscheln der Chilenen klingt das Spanisch der Bolivianer einfach wie Musik in den Ohren. Es wird viel getratscht, wir geben Führungen durch unseren Duro und als wir am nächsten Tag wieder startklar sind, möchten sie uns gar nicht mehr gehen lassen.

Muskelkater beim Tanken - Bolivien macht‘s möglich!

Unser nächstes Projekt ist nebst der Stadtbesichtigung auch das Tanken. Wie ich ja schon im ersten Bolivien-Bericht geschrieben habe, ist das hier so eine Sache. Fahrzeuge mit ausländischem Nummernschild zahlen zweieinhalb mal soviel, wie die Einheimischen (anstatt CHF 0.52 bezahlen Ausländer CHF 1.25). Benzin und Diesel werden vom Staat subventioniert und davon sollen die Ausländer natürlich nicht auch noch profitieren. Na ja, das kann man ja schon verstehen. Aber leider ist es teilweise so, dass man nicht einmal zum Ausländertarif tanken kann, denn die Tankwarte müssen irgendwelche Formulare ausfüllen, was sie entweder nicht können oder schlicht und einfach nicht wollen. Aber wo es eine Regel gibt, ist meistens auch eine Ausnahme nicht weit entfernt. Die muss man nur finden. Bis jetzt konnten wir jedes Mal den Preis bis auf 5 Bolivianos (CHF 0.70) herunterhandeln, aber da nun unsere Dieseltanks ziemlich leer sind, versuchen wir unser Glück, um zum Einheimischen Preis zu tanken. Direkt an der Zapfsäule zu füllen klappt meistens nicht, da viele Tankstellen kameraüberwacht sind. Aber mit Kanistern funktioniert das recht gut. Das Dumme daran ist nur, dass man sein Fahrzeug weg von der Tankstelle parkieren muss, damit das Nummernschild nicht ersichtlich ist. So muss Roger jeweils 100m mit unseren zwei Kanistern zur Tankstelle zurücklaufen, diese befüllen um dann den Duro von Hand zu betanken. Man kann sich bestimmt vorstellen wie lange das dauert, bis da 300 Liter drin sind. Roger hatte auf jeden Fall am nächsten Tag einen ziemlich heftigen Muskelkater in beiden Armen (*hihi*).

Potosí - ohne uns

Voll getankt und frohen Mutes fahren wir nun weiter in die zweithöchst gelegene Stadt in Bolivien, nach Potosí (4’065m ü. M.). Obwohl wir diese Stadt bereits von früher her kennen, planen wir doch noch einen Stopp hier einzulegen um uns mit den qualitativ hochwertigen Textilien aus dieser Region einzudecken. Aber diesmal wird es nichts und das erste Mal auf unserer Reise finden wir einfach keinen geeigneten Übernachtungsplatz. Dort wo wir reinkommen würden ist schon alles voll und bei den anderen Möglichkeiten, ist einfach die Einfahrt zu niedrig. Und als wir beim Eingang eines Hotels die Deckenverkleidung herunter reissen, machen wir schnell kehrt. Natürlich könnte man auch einfach irgendwo auf der Strasse campen, aber da wir ja die Stadt besichtigen möchten haben wir kein gutes Gefühl dabei, das Auto einfach irgendwo abzustellen. Aber alles halb so schlimm, das ist ja das Gute daran, wenn man früher schon mal hier war.

Sucre - 9 Tage die wir nie mehr vergessen werden

So kommt schnell Plan B zum Zuge und wir fahren gleich weiter nach Sucre, der Haupt- und für uns schönsten Stadt von Bolivien. Dass wir hier gleich 9 Tage bleiben würden, hätten wir uns auch nicht träumen lassen. Aber das ist ja das Tolle auf Reisen, man weiss nie im Voraus, was kommen wird. So findet gerade einer der grössten Events in Sucre statt als wir eintreffen, ein Autorennen wo während dreier Tage alle Aus- und Eingänge der Stadt gesperrt sind. Nur am Abend hat man jeweils die Möglichkeit, in die Stadt hinein- oder wieder herauszufahren. Sogar der Flughafen wird tagsüber geschlossen und nur am Abend geöffnet. Kann sich das einer vorstellen? Einen Flughafen zu schliessen und dies in der Hauptstadt des Landes? Wir geniessen auf jeden Fall das wuselige Treiben, nur das hochtourige tunen der Motoren geht einem morgens um 03.00 Uhr dann schon mal auf die Nerven.

Hier in Sucre möchten wir uns nebst neuen Sitzbezügen für die Fahrersitze auch neue Polsterbezüge für unsere Sitzgruppe in der Kabine schneidern lassen. Hierzu bekommen wir tatkräftige Unterstützung von Felicidad, der lieben Campingbesitzerin eines kleinen Platzes in Sucre. Wir haben uns schon von Anfang an hervorragend mit der ganzen Familie verstanden und sie hat uns irgendwie ebenfalls gleich in ihr Herz geschlossen. Stundenlang schlendern wir gemeinsam durch die Märkte, kaufen meterweise Stoff, suchen zusammen mit ihrer Tochter Carolina eine geeignete „Tapiceria“ (Sattlerei) aus und verbringen viel Zeit zusammen. Seit wir in Bolivien sind haben wir so viele liebe Menschen getroffen, sodass es uns immer schwerer fällt, weiterzufahren. So verlängern wir jeden Tag um einen weiteren, besuchen abends Folklore-Shows mit typischen Tänzen aus Bolivien, geniessen die hervorragende Küche welche die Stadt zu bieten hat und fühlen uns einfach richtig wohl. Aber nach 9 Tagen kommt dann der Abschied, da wir unbedingt den sonntäglichen Markt in Tarabuco besuchen möchten, welcher etwa 70km von Sucre entfernt stattfindet. Alberto, der Ehemann von Felicidad, versucht zwar alle Tricks um uns an der Abreise zu hindern, aber irgendwann muss man ja weiter. Als uns Felicidad in ein Hinterzimmerchen ruft und die Türe abschliesst, bekommen wir die wahrscheinlich rührendsten Worte zu hören, welche man sich auf solch einer Reise vorstellen kann. „Anita“, meint sie mit Tränen in den Augen, „Ihr habt jetzt auch noch eine Familie in Bolivien. Kommt bitte zurück, ihr habt immer eine Wohnung hier, die auf euch wartet.“

Sprachlos steigen wir in unser Auto ein und sind einmal mehr überwältigt von der unglaublichen Freundlichkeit der Einheimischen, die uns so oft auf dieser Reise begegnete.

Farbenprächtiger Sonntagsmarkt in Tarabuco

Jeden Sonntag findet in Tarabuco einer der wahrscheinlich farbenprächtigsten Märkte von Bolivien statt. Obwohl mittlerweile sehr touristisch, sieht man aber immer noch die indigenen Hochlandbewohner, wie sie herausgeputzt in ihrer typischen Tarabuco-Tracht ihren Einkäufen nachgehen. Wir sind extra bereits am Samstag ins Dorf gefahren, damit wir am Sonntag vor dem ganzen Touristenandrang den Markt geniessen können. Na ja, „wir“ ist jetzt vielleicht das falsche Wort, denn Roger bevorzugt es den Duro „abzuschmieren“, während ich den Markt besuche. Ich bin so früh dran, dass viele Stände noch gar nicht aufgebaut sind. Aha, die Bolivianer sind also keine Frühaufsteher. So schaue ich fasziniert dem Treiben zu wie sich immer mehr Menschen einfinden und so der Markt zum Leben erwacht. Nach 3 Stunden sind dann alle Einkäufe in der Tasche und als die Touristenbusse anrollen, machen wir uns wieder aus dem Staub.

Unterwegs auf der legendären „Ruta del Che“

Weiter peilen wir die „Ruta del Che“ an, eine landschaftlich sehr schöne Strecke, welche wir bereits vor 11 Jahren mit dem Landy gefahren sind. Auf dieser Route passiert man verschiedene Stationen des letzten Lebensabschnittes des legendären Revolutionären Ernesto Che Guevara. So wie er erfolgreich in Kuba die damalige Regierung stürzte und Fidel Castro an die Macht verhalf, wollte er das gleiche in Bolivien vollbringen. Von einem abtrünnigen Mitstreiter verraten, wurde er von den Regierungstruppen in einen Hinterhalt gelockt und am 09. Oktober 1967 in „La Higuera“ erschossen. Da uns dieses kleine Dörfchen schon beim letzten Mal gut gefallen hat, fahren wir nochmals dahin und freuen uns sehr, dass die „Casa de la Telegrafista“ immer noch von dem gleichen Franzosenpaar geführt wird. Damals waren wir mit unseren Landy-Freunden aus Paraguay (2CV-Tours) ziemlich die ersten Gäste, die bei ihnen nächtigten und so ist es natürlich umso schöner nochmals herzukommen um zu sehen, was daraus geworden ist. Mittlerweile gibt es einen kleinen Campingplatz, aber ansonsten sieht es immer noch genau gleich aus wie damals. Wir zeigen der Besitzerin „Oda“ Fotos von früher, welche wir gemeinsam mit ihr vor der Che-Statue aufgenommen haben. Aiii, haben wir da alle noch jung ausgesehen.

Kälteeinbruch und Wiedersehen in den Tropen - Santa Cruz de la Sierra

Hier oben heisst es nun endgültig Abschied vom Hochland nehmen, denn ab jetzt werden wir nur noch im Tiefland und dementsprechend heissen Regionen unterwegs sein. Denkste, so erreichen wir die Tropenstadt Santa Cruz bei Nieselregen und eisig kalten Temperaturen, brr. Immerhin etwas Freudiges gibt es hier zu berichten, denn wie es der Zufall so will, treffen wir hier auf Betty und Beat, welche wir zuletzt in den USA gesehen haben. Das ist natürlich eine Freude. Obwohl wir immer wieder miteinander in Kontakt waren, haben wir uns aber trotzdem teilweise haarscharf verpasst. Dieses Wiedersehen muss natürlich gefeiert werden und was passt bei diesen kalten Temperaturen besser dazu, als ein gemütlicher Raclette-Abend? Selbstverständlich ist bei uns 4 Schweizern der Kühlschrank prall mit Käse der „Queseria Suiza“ gefüllt, welche hier in Bolivien ansässig ist.

Aber es wird nicht nur geschlemmt, auch eine Stadtbesichtigung steht auf dem Programm, was man unserer Meinung nach aber getrost hätte auslassen können. Immerhin war die Busfahrt mit den einheimischen Ferrari-Piloten wieder einmal ein Erlebnis für sich.

Auf dem Weg nach Brasilien

Unsere Bolivien-Reise neigt sich langsam dem Ende entgegen und wir bereiten uns auf die fast 700km lange Strecke nach Puerto Suarez vor, der Grenzstadt zu Brasilien. Da Betty und Beat den gleichen Weg wie wir vorhaben, beschliessen wir natürlich gemeinsam weiterzufahren. Einen Fahrstopp legen wir noch im von Jesuiten gegründeten Dorf „San José de Chiquitos“ ein, bevor wir dann die Grenze zu Brasilien erreichen.

Und was wir da alles erleben, gibt es wie immer im nächsten Reisebericht. Aber nur so als kleiner Vorgeschmack, wir werden so etwas von tierisch im Tropenparadies empfangen, dass man mit vielen farbenfrohen Fotos rechnen darf.

Fazit Bolivien

Bolivien war und ist für uns immer noch eines der schönsten und interessantesten Reiseländer, die wir bisher bereisen durften. Die atemberaubenden Landschaften im kargen Altiplano (Hochland) mit den farbenprächtigen Lagunen und schneebedeckten Vulkankegeln, welche sich mit den dampfenden Nebel- und Regenwälder in den Übergang ins Tiefland abwechseln, ist für uns etwas vom Faszinierendsten, was wir je gesehen haben. Was uns diesmal aber besonders gefreut hat ist, dass wir viel mehr mit den Einheimischen in Kontakt gekommen sind als früher. Man merkt, dass Bolivien touristisch gesehen auf dem Vormarsch ist und sich die Leute den Ausländern öffnen und auch sehr interessiert sind. Was leider geblieben ist, ist die unberechenbare Seite Boliviens. Was heute gut und friedlich ist, kann am nächsten Tag schon wieder kippen. Strassenblockaden und Streiks gibt es wie eh und je und man weiss nie so genau wenn man in eine Stadt hineinfährt, ob man am nächsten Tag auch wieder herauskommt. Aber so bleibt es weiterhin ein abenteuerliches Reiseland wo sich ein jeder freuen kann, dieses für sich zu entdecken.